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Der Weg ist wirklich das Ziel

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Jeder kennt das Sprichwort „Der Weg ist das Ziel.” Und doch verfehlen die meisten Menschen die Bedeutung dieser Aussage völlig. Sie wollen scheinbar nicht verstehen, dass das Erreichen eines Zieles vor allem eines darstellt – das Ende.

Übertriebener Zielfokus, enttäuschende Resultate

Als ich vor einiger Zeit eine Probefahrt absolvierte, wurde mir am Ende des Tages bewusst, dass das überwältigende Gefühl, dieses Auto zu besitzen, bereits vor dessen Abgabe verschwunden war.

All die Erwartungen, die ich in dieses Auto gesetzt hatte, erfüllten sich zwar, aber es fühlte sich bereits nach einigen Stunden Probefahrt völlig gewöhnlich an.

Hätte ich nun Monate oder gar Jahre lang für dieses Auto gearbeitet, ohne mir zuvor bewusst zu machen, welche Erwartungen ich mit diesem Auto erfüllen möchte und dann zu schauen, ob es diese auch wirklich erfüllen kann, wäre ich am Ende nicht nur 50.000€ leichter, sondern auch emotional sehr enttäuscht gewesen.

Mit diesem Beispiel möchte ich verdeutlichen, wie wichtig es ist, zu erkennen, dass eine Zielverwirklichung nichts anderes als eine Belohnung darstellen sollte.

Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel. Marie von Ebner-Eschenbach

Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf das Ziel, werden  Ihnen all die schönen Dinge entgehen, die sich entlang des Weges befinden.

Damit möchte ich nicht sagen, dass sie keinen starken Fokus in Bezug auf ihr Ziel benötigen, denn das Gegenteil ist der Fall. Sie selbst wissen am besten, dass Sie ohne Kompass, nie im richtigen Hafen landen werden. Ein Ziel gibt ihnen die Richtung an, vielleicht sogar noch ein Motiv, mehr aber nicht.

Vorfreude ist die schönste Freude

Stellen Sie sich vor, ihr Partner unternimmt mit ihnen eine Reise. Er verspricht ihnen, dass Sie am Ende dieser Reise etwas Wunderschönes zu Gesicht bekommen, sagt ihnen jedoch nicht, was es sein wird.

Schon vor Anbruch der Reise kommen ihnen tausend Gedanken in den Sinn, was Sie für eine Überraschung erwartet. Die Reise beginnt und nun spielt ihre Phantasie völlig verrückt. Sie malen sich ihre Wunschvorstellung in den schönsten und buntesten Farben aus. Und da Sie noch frei von jeglicher Ahnung sind, steigt ihre starke Vorfreude bis ins Unermessliche.

Nach einigen Stunden Autofahrt stoppt ihr Partner das Auto. Nun begeben Sie sich auf eine Wanderung. Der Weg führt Sie durch malerische Wälder und Gebiete ihres Landes, die Sie noch nie zuvor gesehen haben. Am Abend erreichen Sie den Gipfel eines Berges und plötzlich bleibt ihr Partner stehen, um ihnen mitzuteilen, dass Sie ihr Ziel erreicht haben – dem wohl schönsten Ort weit und breit, an dem die Sonne in ein orange-rotes Wolkenmeer taucht und schließlich untergeht.

Ziemlich verwirrt stellen Sie nun fest, dass ein Sonnenuntergang keinem ihrer Wünsche auch nur annähernd entsprach. Doch um ihrem Partner nicht zu enttäuschen, lassen Sie sich auf dieses Naturspektakel ein und genießen es in vollen Zügen.

Ziele und Zufriedenheit

Dabei wird ihnen bewusst, dass ihre Zufriedenheit unabhängig vom eigentlichen Ziel ist. Wären das Ziel und ihr Wunsch identisch gewesen, hätten Sie am Ende lediglich festgestellt, dass Sie mit ihrer Vermutung richtig lagen. Aber das angenehme Gefühl, dass Sie die ganze Zeit über begleitet hat, wäre immer dasselbe geblieben.

Sie wissen nun, dass der Weg das wahre Ziel ist. Diese Betrachtungsweise ist vor allem dann besonders wertvoll, sollte man sein Ziel einmal nicht erreichen. Anstatt absoluter Enttäuschung über ihr Scheitern, haben Sie den kompletten Weg genossen. Und genau darauf kommt es letztendlich an.

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